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pit234a

Fortgeschrittener

1

05.12.2017, 20:04

GhostBSD

http://www.ghostbsd.org/
http://www.ghostbsd.org/news beschreibt nicht nur Neuigkeiten, sondern auch die üblichen Möglichkeiten, das Image auf einen Stick zu bekommen (halt mit dd). Und bei
http://www.ghostbsd.org/download findet man zwei unterschiedliche Versionen, einmal mit MATE und dann mit XFCE.

So ganz scheint mir das nicht hierher zu passen. Ich will es trotzdem mal nennen, denn hier steht ja auch als Überschrift: "Hinter dem Tellerrand geht's weiter..."

Wer sich einen PC kauft, wird fast immer ein Microsoft System darauf vorinstalliert finden. Manche auch ein OS-X. Bei einem von beiden bleiben die allermeisten Leute ohne weiter nachzudenken und lernen mit der Zeit, sich einigermaßen im System zu Recht zu finden. Ganz wenige Leute wollen dann vielleicht auch mal was anderes und finden den weg zur Freien Welt der OpenSorce-SW. Hier wiederum finden sie allermeist eine fertige Distribution eines GNU/Linux mit einem DesktopEnvironment und Zusatzprogrammen. Die meisten Leute in der Freien Welt (was ja nun eh schon sehr wenige sind) bleiben dabei und nutzen in Deutschland entweder Ubuntu oder (in der Welt weiter verbreitet) MINT (was meiner Ansicht nach wie Ubuntu ist). Es werden immer weniger Leute, die noch eine der weniger verbreiteten Distributionen ansehen und sich da hinein leben.
Einer meiner Sprüche ist: die Welt ist bunter als UBUNTU.
Denn es gibt neben den GNU/Linux Systemen auch eine Reihe anderer Freie Systeme und von denen möchte ich hier die Gruppe der BSD-Systeme nennen. Sie alle sind anders als ein GNU/Linux, zeigen aber doch auch viel Ähnlichkeit.
Ich fange mal damit an, dass ich ja immer GNU/Linux sage. In den BSD-Systemen ist nur wenig aus GNU enthalten und gar kein Linux. Linux ist der Kernel und der Kernel hat bei den BSDs gar keinen eigenen Namen, er gehört einfach dazu. Und statt GNU wird das Grundsystem gemeinsam mit dem Kernel entwickelt und auch immer gemeinsam mit dem Kernel als eine geschlossene Version veröffentlicht. Es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten, aber alle BSD-Systeme unterscheiden sich auch sehr voneinander. Ich will hier nur mal aufzählen, man kann sich im Netz ja mühelos informieren: DragonFly-BSD, OpenBSD, NetBSD, FreeBSD. Von diesen ist FreeBSD am weitesten verbreitet, aber es dürften sicher weniger als zehn Prozent aller Nutzer von Freien Systemen sein, die überhaupt irgendwas anderes als GNU/Linux nutzen.
FreeBSD ist also ein freies System, das nicht unter einer der GPLs steht und eine eigene Lizenz hat. Es entspricht in etwa dem, was GNU/Linux ist, es hat also keine Grafik und keine weiteren Programme. Dieses Grundsystem ist auch scharf getrennt von den weiteren Programmen, die zusätzlich installiert werden können. Es steht dazu eine Paketdatenbank zur Verfügung und ein System aus sogenannten Ports, mit deren Hilfe direkt aus den Quellen selbst kompiliert werden kann. Anders als in Linux ist auch, dass man sich sehr sehr wenig um die Nutzer bemüht. Die Denkweise ist in etwa: "hier ist es, nimm es und mach damit, was du willst. Uns interessiert das nicht. Aber behaupte nicht, du hättest es gemacht und jammere und beklage dich nicht, wenn es nicht funktioniert". FreeBSD wird von einem Team von Entwicklern weiter entwickelt, die auch die Richtung festlegen und zwar in einem demokratischen Prozess.
FreeBSD ist mein liebstes Betriebssystem.

Fertige Distributionen, wie man das aus der Linux-Welt kennt und gewohnt ist, gibt es kaum. Der Standard-Nutzer eines FreeBSD nimmt es, konfiguriert es und baut sich sein eigenes System mit den zugehörigen Mechanismen auf. Er sucht nicht nach einer fertigen Lösung, die doch ganz anders ist, als was er für sich selbst haben möchte. Man konnte drei nennenswerte Versuche in der Vergangenheit sehen, doch eine fertige Version mit Desktop und zusätzlicher SW und auch vorab konfiguriert zu etablieren. Dies war PC-BSD, das nun TrueOS heißt und sich doch schon etwas von FreeBSD entfernt hat, indem es viele eigene Mechanismen einbaut und offenbar auch einen bestimmten Anwenderkreis im Fokus hat. Sodann DesktopBSD, hervorgegangen aus FreeSBIE, das eine Art Live-System sein wollte und an dem wohl derzeit nicht weiter gearbeitet wird (ich habe das auch nicht verfolgt) und schließlich GhostBSD, von dem ich hier berichten möchte.

GhostBSD ist keine Live-DVD im Sinne von Knoppix, es ist eine Live-DVD im Sinne von Ubuntu. Man startet also eine Live-Sitzung, in der man auch arbeiten kann, die aber zum installieren der gezeigten SW auf einem PC gedacht ist.
GhostBSD nimmt FreeBSD, konfiguriert es und stellt einige Sachen ein, integriert dann einen MATE (oder XFCE) Desktop und einige kleinere Tools (wie etwa den Network-Manager) und legt das alles zusammen in ein System. Es kommen auch LibreOffice und einige weitere Programme direkt mit, die also auch Live benutzt werden können. Man kann auch Live bereits zusätzliche Programme installieren, aber es gibt keine Persistenz. Alles ist wieder weg beim Neustart.
Wer es betrachtet, erhält nur wenig Eindruck von FreeBSD, das darunter agiert.
Aber immerhin, es ist eine ganz gut gelungene Zusammenstellung.
Ich habe sie mir nur kurz Live in der MATE-Version angesehen, die auf Englisch erscheint. Das Tastatur-Layout lässt sich leicht ändern und dann kann man durchaus ein wenig im System stöbern.
https://www.freebsd.org/doc/en/books/handbook/ ist das Handbuch zu FreeBSD und das gilt so auch für GhostBSD im Großen und Ganzen. Es gibt auch eine Deutsche Version: https://www.freebsd.org/doc/de/books/handbook/ , die aber meist nicht so aktuell ist und das ist schon in der Englischen Version so ein Knackpunkt.
Die installierte Version würde auch einen Mount-Automatismus bieten, der bei mir in der Live-Version nun nicht funktionierte.

Für wen könnte das interessant sein?
Nunja. Eigentlich kaum für jemanden...
Eine fertige Distribution mit GNU/Linux ist in allen Aspekten praktischer für einen Nutzer. Ein Neuling, für den ja eine einfach zu installierende und vorkonfigurierte FreeBSD-Version vor allem interessant sein würde, wird besser die Finger ganz davon lassen. Auch, wenn jeder mit einem MATE-Desktop leicht umgehen kann und auch zunächst vielleicht gar kein Unterschied zu einem GNU/Linux zu sehen ist, FreeBSD ist radikaler und unbequemer. Es ist nicht interessiert am User. Wer es nutzen will, muss es auch erlernen. Lernen tut bekanntlich weh. Das will niemand.
Wer sich immer schon so ein wenig darüber geärgert hat, dass ein einziger Typ der Hauptmacker vom Linux (dem Kernel) ist und dass wir nun innerhalb von kurzer Zeit mit dem umstrittenen systemd das dritte device-System serviert bekommen und damit grundlegende Änderungen in den tiefsten Tiefen des Systems verschmerzen müssen oder wer sich mit seiner Linux-Dsitribution schon gut auskennt und sie auch nicht verlassen möchte, aber doch mal einen Blick "über den Tellerrand" wagen möchte, der kann das mit GhostBSD nun recht einfach mal wagen, ohne sich die Finger zu verbrennen und zu viel investieren zu müssen. Einfach das iso per dd auf einen Stick und mal davon booten. Es funktionierte bei mir auf drei getesteten PCs, streikte aber bei einem Mac-Book (vermutlich also bei EFI).

Über Rückmeldungen würde ich mich natürlich freuen, gehe aber tatsächlich nicht davon aus, dass jemand sich die Mühe mal machen will.

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